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SPD-Aktive besuchen die Bereitschaftspolizei

Eine Gruppe von 25 neugieriger Genossinnen und Genossen besuchte am 25. Juli die Bereitschaftspolizei in Nürnberg. Der Besuch war durch den Genossen Günter Thielemann arrangiert worden. Die SPD-Aktiven wollten endlich wissen, was hinter dem Zaun am Rande ihres Siedlungsgebietes geschieht. Der stellvertretende Abteilungsführer Stefan Beck gab darüber bereitwillig Auskunft. Dabei erfuhren die Aktiven auch, dass Thielemann hier selbst in der Polizeiausbildung tätig war, eine Hundertschaft führte und mit fünf Sternen auf der Schulterklappe in den Ruhestand ging.

Derzeit sind rund neunhundert Mitarbeiter, wie die Polizeibeamten sich hier nennen, in der seit über 40 Jahren bestehenden Ausbildungsstätte untergebracht. Dazu sorgen mehr als 100 zivile Angestellte für den reibungslosen Ablauf von Ausbildung und Einsätzen: beispielsweise KFZ-Mechaniker und andere Handwerker, Köche, Ärzte und Sanitäter oder auch Seelsorger.

Eine große Schwierigkeit besteht nach Einschätzung des Polizeiführers im fehlenden Nachwuchs. Um Geld zu sparen, reduzierte die Staatsregierung mehrere Jahre lang die Zahl der Neueinstellungen. Gleichzeitig gingen aber viele altgediente Polizisten in den Ruhestand. Dieses Ungleichgewicht versucht das Innenministerium durch die Aufnahme von rund 1300 Auszubildenden pro Jahr wieder auszugleichen.

Junge Menschen, die sich für den Polizeiberuf entscheiden, werden zunächst in einem umfassenden Einstellungstest auf ihre Tauglichkeit überprüft. Von acht Bewerbern wird einer übernommen. „Die meisten scheitern am Sporttest,“ teilt Stefan Beck mit. Für Interessenten aus der Hauptschule dagegen sei das Gruppengespräch eine große Hürde. Die Mehrzahl beginnt nach Abschluss der Realschule oder dem Abitur die Ausbildung. Mittlerweile sind nahezu ein Viertel der Jungpolizisten weiblich. Untergebracht sind die Polizeischüler im „Hochhaus“ auf dem Gelände. Dort leben Sie in Zweibettzimmern, dürfen sich aber frei bewegen und auch außerhalb des Geländes übernachten. Ein großes Sportgelände, eine Schwimmhalle sowie eine Dreifachturnhalle erlauben den Polizisten, sich fit zuhalten. In der unterirdisch versteckten Schießanlage herrscht Hochtechnik vor: die Polizisten schießen auf Filmeinspielungen auf der Zielleinwand, die eine realistische Situation darstellen. Die Treffer werden elektronisch ausgewertet. „Ein Polizist schießt nicht oft. Wenn er aber schießt, muss er es können.“ betont Ausbilder Beck.

Nach der Grundausbildung kommen die Schüler mit dem Polizeialltag in Berührung, indem sie am Streifendienst teilnehmen. Dann folgen weitere Theoriephasen und Einsätze bei Großereignissen wie Sportveranstaltungen, Demonstrationen oder auch die Bewachung der Atommülltransporte nach Gorleben. Hier unterstützen sich die Einheiten aus den verschiedenen Bundesländern gegenseitig. Mehr als eine Million Einsatzstunden kommen da im Jahr für die bayerische Bereitschaftspolizei zusammen.

Im Bauzustand der Gebäude sieht Beck ebenfalls ein großes Manko. Die knapp 40 Jahre alten Flachbauten seien energietechnisch nicht mehr tragbar. Rund 40 Prozent der eingesetzten Heizenergie gehe durch undichte Fenster und schlechte isolierte Mauern verloren.

Die SPD-Aktiven waren beeindruckt von der Offenheit des Ausbildungsleiters und staunten über die Vielfalt der Aufgaben, die hinter dem Sicherheitszaun im Reichswald erledigt werden.

Norbert Schneider